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Franz Liszt (1811 – 1886)

Er war Pianist, Komponist, Dirigent, Kulturmanager, Avantgardist, experimenteller Musiker, dazu ein bedeutender Liebhaber, katholischer Kleriker, Förder und Anwalt junger Talente. Er erwies sich als pianistisches Gegenstück zum Violinvirtuosen Paganini.

Geboren wurde er in Raiding, damals Ungarn, heute Österreich, als Sohn eines Beamten des Fürsten Esterházy. Er komponierte schon früh und trat mit neun Jahren erstmals öffentlich auf. Als seine Familie 1821 nach Wien zog, bekam er Unterricht bei Carl Czerny und Antonio Salieri. 1823 reiste er mit seiner Familie nach Paris, weil er dort am Konservatorium studieren wollte. Das verweigerte ihm der Direktor – Luigi Cherubini. Der junge Liszt bekam zwar Kompositionsstunden bei Fernando Paer und Antonin Reicha, aber er hatte keinen Klavierunterricht mehr. In Paris wude er bereits in den Salons herumgereicht. 1824 führte er eine erste Konzertreise durch Frankreich und England. 1830 fand er neue Freunde, etwa Paganini, Bellini, Berlioz, Chopin und einige Schriftsteller und Intellektuelle in der Pariser Gesellschaft. Er etablierte sich als beliebter Pianist und Lehrer. 1835 zog er in die Schweiz. Ab 1838 war er fast ständig als der damals wohl attraktivste Klaviervirtuose unterwegs. Durch Europa, zwischen Lissabon und St. Petersburg, zwischen Rom und Berlin, zwischen Konstantinopel und London, zeigte er seine Klaviervirtuosität und seiner Gabe als Improvisteur.

Er hatte drei Kinder mit der Gräfin d’Agoult, mit der er sich 1844 trennte. 1847 lernte er die Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein kennen und lieben. 1848 zog er mit ihr nach Weimar, wo er zehn Jahre das Amt als Kapellmeister übernahm und sich für Berlioz, Schumann und Wagner einsetzte. In dieser Zeit wurde er zr Schlüsselfigur der Neudeutschen Schule um Richard Wagner, die sich von akademisch angesehenen Meistern und Nachfolgern der Wiener Klassi absetzen wollte. Deshalb entstanden Sinfonische Dichtungen bei Franz Liszt und ein neuer Opernstil bei Richard Wagner.

Die Beziehung zur Fürstin Sayn-Wittgenstein sollte 1861 zu einer Ehe führen. Da dies aufgrund kirchenrechtlichen Gründen nicht möglich war, lebten sie nun in getrennten Wohnungen, doch blieben in Freundschaft miteinander verbunden. 1865 wurde Liszt Kleriker und trug von nun an häufig geistliche Kleidung. Die letzten Jahre des Komponisten waren vor allem geistlichen Kompositionen gewidmet. Die letzten 15 Jahre lebte er abwechselnd in Rom, Weimar und Budapest. Er förderte junge Komponisten und unterrichtete sie. Er wurde häufig geehrt und reiste vielfach zu den Aufführungen seiner Werke in ganz Europa. Im Todesjahr unternahm er noch eine letzte Reise über Lüttich und Paris nach England. Erschöpft kehrte er nach Bayreuth zurück, wo er auf Wunsch seiner Tochter Cosima Wagner den Festspielen beiwohnen wollte und starb dort wenig später.

Liszts Werk ist riesig, auch unübersichtlich, weil er seine Werke immer wieder überarbeitete, ja sogar neu schrieb. Es reicht auch stilistisch von der eher zahmen Frühromantik bis zur neuen experimentellen Musik bis hin zur Schwelle der Moderne.

Liszts sinfonische Dichtungen wachsen über die bisherige sinfonische Form hinaus: etwa Orpheus, Mazeppa, Les Préludes, Festklänge, Hungaria, Hunnenschlacht, Prometheus, Die Ideale, Hamlet, Von der Wiege bis zum Grabe. Das gigantische Klavierwerk: Die beiden Klavierkonzerte, die andeen Werke für Klavier und Orchester, darunter “Totentanz” und die “Ungarische Fantasie”, ein legendärer Zyklus von “sinfonischen Dichtungen für Klavier” (Études d’exécution transcendante), darunter auch eine Klavierfassung seiner sinfonischen Dichtung “Mazeppa”. Ein noch größerer KLavierzyklus enthält rei musikalische Reisetagebücher (Schweiz, Italien mit Venedig und Neapel, Rom): “Années de pèlerinage”. Ebenfalls langschaftlich orientiert ist die Gruppe der 19 Ungarischen Rhapsodien. Ein vierter zehnteiliger Klavierzyklus ist von religiösen Ideen inspiriert: “Harmonies poétiques et réligieuses”. Unter den religiösen Werken ragen zwei kaum mehr aufgefürte Oratorien heraus: “Christus” und “Die Legende von der hl. Elisabeth”. Zwei Messkompositionen sind ebenfalls bemerkenswert: die Missa choralis, die der kirchenmusikalischen Reformbewegung des “Cäcilianismus” nahesteht. Weiterhin Kompositionen für Orgelmusik, viele Einzelwerke, weltliche und geistliche Lieder und Gesänge, als Passionsmusik die “Via crucis”.

Eine eigene Rolle spielen jene Klavierwerke, die sich fremder Kompositionen annehmen. Es sind drei Kategorien: Transkriptionen, Paraphrasen und Fantasien über… Berühmt und noch immer hörenswert sind die Klaviertranskriptionen – zweihändig – aller neun Sinfonien Beethovens, notengetreu und zugleich meisterhaft, wichtig in einer Zeit ohne Tonträger, heute hörenswert, weil die Substanz der Musik Beethovens in extremer Klarheit offenlegen. In den Paraphrasen, etwa über die Lieder Schuberts und Schumanns, wird die komplette musikalische Substanz der Vorlage übernommen, jedoch fantasievoll und virtuos erweitert. In den Fantasien werden gerne Themen aus zeitgenössischen Opern verarbeitet. Die Fassung der berühmten “Wandererfantasie” Schuberts für Klavier und Orchester ist ebenfalls ein bedeutendes Werk Franz Liszts.

Bedeutenste Werke:

  • Les Préludes
  • die beiden Klavierkonzerte
  • Klaviersonate in h-Moll
  • Ungarische Rhapsodien
  • die Opernparaphrasen
  • Études d’exécution transcendante

Bekanntesten Werke:

  • Liebestraum, für Klavier, der dritte von drei Träumen
  • Digg
  • Sphinn
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