Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847)
Zu seiner Zeit hielten ihn manche für konservativ und hätten ihn gern – auch weil er Jude war – auf dem Altar des Fortschritts geopfert. Er ist eher der Klassische unter den Romantikern. Seine Vorbilder sind Bach, Händel und Mozart.
Sein Großvater war der bedeutenste jüdische Philosoph Moses Mendelssohn, das Vorbild für Nathan den Weisen in Lessings gleichnamigen Schauspiel. Felix Mendelssohn Bartholdy entstammt einer angesehen Hamburger Bankiersfamilie, war früh- und hochbegabt, beinahe ein Wunderkind und wurde intensiv gefördert und ausgebildet. Er trat schon als Neunjähriger mit seiner ebenfalls begabten Schwester Fanny pianistisch auf. Die 12 Streichersonaten schrieb er im Alter von 12 bis 14 Jahren, das Oktett für Streicher mit 16 und die Ouvertüre zum Sommernachtstraum mit 17 Jahren. Man kann schon an seinen frühen Werken seine Meisterschaft anerkennen. Als Kind standen ihm und seiner Schwester professionelle Musiker, darunter Goethes Freund Carl Friedrich Zelter, zum Studium und zur Aufführung ihrer Werke zur Verfügung. 1820 trat er mit seiner Schwester der Berliner Singakademie bei, in der auch Bachs Musik gepflegt wurde. 1821 wurde er mit Carl Maria von Weber bekannt und wurde Johann Wolfgang von Goethe vorgestellt. 1822 gab es die ersten öffentlichen Aufführungen seiner Werke. 1827 begann er sein Studium an der Berliner Universität.
Das Jahr 1829 wurde das Wendejahr in der Musikgeschichte: Der damals 20-jährige führt die Matthäuspassion von Bach nach einem Jahrhundert des Vergessens wieder auf. Er legte damit den Grundstein für eine neue Musikkultur, in der die Werke vergangener Epochen neben der jeweils aktuellen neuen Musik gleichberechtigt lebendig gehalten wurden. Denn bis dahin erlosch gewöhnlich das Interesse an Kompositionen mit dem Tod des Urhebers. Bis dahin waren fast alle Aufführungen der jeweils “Modernen Musik” dem gerade aktuellen Schaffen gewidmet. Aus diesem Grund nannte man die nunmehr neu geschaffenen Konzerte mit alter Musik auch “Historische Konzerte”. So entstand die heute übliche bürgerliche Musikkultur mit ihren Konzertvereinigungen, den Konzert- und Opernhäusern, den Konservatorien und den Musiklehranstalten, den Chor- und Gesangsvereinen, den Kirchenchören – all das zur gleichzeitigen Pflege Alter und Neuer Musik. Es ist nur wenigen Menschen bewusst, dass in den Jahrhunderten zuvor fast ausnahmslos nur neue Musik aufgeführt wurde, während die alte Musik vergessen wurde. Mendelssohn war mit seinem Lehrer und Freund Zelter einer der Begründer dieses bis heute gültigen bürgerlichen “Musikbetriebs”.
Von 1830 bis 1833 führte ihn eine große Reise durch Europa: nach Weimar zu Goethe, nach München und Wien, nach Venedig, Florenz, Rom, Neapel, Mailand und anschließend in die Schweiz, nach Paris und London. Nach seiner Rückkehr nahm er die Leitung des Niederrheinischen Musikfestes in Düsseldorf, dann das Amt des Städtischen Musikdirektors. 1835 wurde er Kapellmeister der Gewandhauskonzertee in Leipzig, wo er als einer der Ersten nicht vom Klavier oder einem anderen Instrument aus, sondern in der Mitte stehend mit dem Taktstock dirigierte. 1843 gründete er gemeinsam mit Schumann und anderen Musikerfreunden – als erste derartige Institution . das Konservatorium in Leipzig. Zwischen 1841 und 1844 reiste er immer wieder nach Berlin, um künstlerische Aufgaben als Komponist und Dirigent, aber auch als Berater im dortigen Musikleben auszuführen. Auch nach England führten ihn mehrere Reisen, vor allem wegen der freundlichen Aufnahme seiner Chorwesen. Nach aktiven 38 Jahren als Komponist, Dirigent, Pianist und Kulturmanager starb Mendelssohn in Leipzig. Der überraschende Tod seiner überaus geliebten Schwester im Mai wirkte wie ein tragisches Vorspiel des eigenen schnellen Sterbens im Herbst des gleichen Jahres.
Fanny Mendelssohn-Hasel (1805 – 1847) war eine jener Frauen, die heutzutage wahrscheinlich eine eigene Karriere als aktive und erfolgreiche Musikerin erleben würden. Sie war eine ausgezeichnete Pianistin, dirigierte auch die Aufführungen ihrer Vokalwerke und schrieb Klavier- und Kammermusik von hoher Qualität. Manche ihrer Werke erklingen unter dem einvernehmlich gewählten Namen des Bruders. Bis ins 20. Jahrhundert wurden immer wieder – auch literarische – Schöpfungen von Frauen unter Männernamen veröffentlicht. Fannys Gatte, der Maler Wilhelm Hasel, ermutigte seine Frau zu komponieren und zuletzt auch dazu, die Werke zu publizieren.
In mehreren Gattungen hat Mendelssohn bleibende Kunstwerke geschaffen: Drei Solokonzerte (das berühmte Violinkonzert, zwei Klavierkonzerte) und vier seiner fünf Sinfonien gehören zum großen Repertoire (die 3., 4. und 5. Sinfonie – die “Schottische”, “Italienische” und die “Reformationssinfonie” mit dem Lutherchoral “Eine feste Burg ist unser Gott”), die 2. Sinfonie “Lobgesang” ist als geistliche Sinfonie mit Chorfinale ein religiöses Gegenstück zu Beethovens Neunter. Als evangelisch getaufter Jude hatte Mendelssohn eine starke Beziehung zu jüdischen Texten im christlichen Repertoire: Die großen Psalmvertonungen mit Soli, Chor und Orchester und die beiden biblischen Oratorien “Elias” und “Paulus” sind herausragende Schöpfungen in der Musik de 19. Jahrhunderts. Es gibt ein großes Repertoire an Kammermusik, reichlich geistliche Musik, darunter sogar einige katholische Werke, Lieder und zahlrreiche Jugendwerke, darunter die Streichersinfonien und kleinere Konzerte. Mit den musikalischen Miniaturen der “Lieder ohne Worte” bereicherte er die romatische Gattung der kleinen Charakterstücke – wie später auch Schumann, Brahms, Chopin und Grieg.
Bedeutenste Werke:
- Elias
- Overtüre zu “Sommernachtstraum”
- Violinkonzert
- Oktett
- Lieder ohne Worte
Bekanntesten Werke:
- Ouvertüre und Hochzeitsmarsch aus der Schauspielmusik zu Shakespeares “Sommernachtstraum”