Wie spielt man musikalisch, oder: Wie praktiziert man Musik?
Elf hilfreiche Tips zum musikalischen Spielen am Klavier. Diese Hinweise sollen der Musikpraxis ein wenig auf die Sprünge helfen.
1.) Auswendig spielen. Wenn du ein Stück auswendig kannst, musst du dich nicht mehr darauf konzentrieren, ob du die Tasten triffst, oder nicht, sondern ganz auf die Musik.
2.) Singen. Fast alle klassischen Stücke haben immer eine Melodie, die hervorgehoben werden muss. Wenn du diese Melodie beim Üben singst, kannst du sie dir später besser vorstellen.
3.) Sich die Frage stellen: Wie klingt es unmusikalisch? Spiel einfach einen Teil des Stückes so, dass er so unmusikalisch und trocken klingt wie nur möglich. Und dann spielst du diesen Teil musikalisch und ausdrucksstark. Wenn man weiß, wie es unmusikalisch klingt, weiß man oft auch, wie es musikalisch klingt. Das hat meistens ein “Acha”-Erlebnis in sich.
4.) Meinung bilden. Wenn du dir keine Gedanken darüber machst, wie du spielst, sondern nur, was du spielst, kann es auch nicht musikalisch klingen. Also musst dich nach dem “wie” fragen, nicht nach dem “was”. Das “was” kommt, wenn du ein neues Stück einübst. Nach ein paar Tagen/Wochen musst du dich fragen “wie” du es spielst. Optimal wäre natürlich, wenn du schon bei der “was”-Frage auch schon die “wie”-Frage mit einbringst.
Du kannst sagen: “Ahja, dieses Motiv muss so und so gespielt werden, damit die richtige Wirkung herrauskommt”. Beispielsweise entwickelt sich eine Phrase meistens so, dass der Höhepunkt in der Mitte der Phrase ist und am Ende der Phrase die Melodie abklingt und aufhört. Solche Sachen musst du beachten.
5.) Aufnahmen hören. Wenn du verschiedene (!) Aufnahmen von dem Stück gehört hast, kannst du sie vergleichen und dir eine Meinung bilden (siehe Punkt 4). Es bleibt hingestellt, ob man jetzt unbedingt so spielen muss wie auf der Aufnahme, oder sich seine eigene Meinung bildet. Aber wenn man erstmal überhaupt keine Meinung oder Idee hat, dann können Aufnahmen sehr nützlich sein.
6.) Fühlen. Wenn du nur mit den Fingern spielst und nicht mit dem ganzen Körper, kann es sich nicht anders als unmusikalisch anhören. Wenn du dir eine Meinung gebildet hast (Punkt 4) kannst du sie mit dem Körper deutlich machen. Wenn du in einer Rede jemanden überzeugen willst, fügst du ja schließlich auch Körpersprache mit ein. Fühlen kann man nämlich nur mit dem Körper. Zu viel Körpersprache ist auch nicht gut und wirkt eher lächerlich, aber keine Körpersprache wirkt so, als ob dir deine Meinung/Idee nicht wichtig wäre.
7.) Musik verstehen. Musik verstehen kann man nur dadurch, indem man viel Musik hört. Hör dir mal bekannte Pianisten an, Werke die so ähnlich sind wie dein Stück und zur Epoche passen. Wenn du Musik verstehst, dann weißt du meistens auch, wie sie realisierbar ist.
8.) Zuhören. Du darfst nicht nur Musik machen, sondern auch gleichzeitig hören. Das fällt der Mehrheit bestimmt sehr schwer. Hilfreich ist dabei, sich eine Aufnahme zu machen und diese nochmal anhören.
9.) Mit Selbstbewusstsein und Freude spielen. Meistens ist es so, dass man ständig immer das gleiche übt und es dann irgendwann langweilig wird. Das hat Gewohnheit nun mal in sich. Aber man kann sich einfach vorstellen, dass hinter dir Zuhörer sitzen und etwas von dir erwarten. Dann machst du nicht nur einfach Musik, um zu üben, sondern wegen der Musik für andere.
Wenn du positiv an das Stück rangehst und sagst: “Ja, ich werde jetzt Musik machen”, dann bekommt das eine ganz andere Richtung. Wenn du selbstbewusst spielst, dann kannst du immer darüber urteilen, wie du spielst. Du hörst dir dann zu und spielst nicht einfach die Prozedur ab, die du schon seit Wochen übst.
Es ist übrigens viel einfacher etwas zu lernen, wenn man eine positive Einstellung gegenüber dem Lernen hat.
10.) Charaktereigenschaften in die Noten schreiben. Bestimmte Stellen sollen heiter, fröhlich, schrecklich, traurig, überwältigend usw… klingen. Das steht nie in den Noten geschrieben, ist aber wichtig. Also schreibt man es sich einfach in die Noten.
11.) Hören und nicht sehen. Früher, im Barock oder in der Romantik hat man sehr selten mit Noten musiziert. Man hat sich immer auf den Klang konzentriert. Dadurch geht heute sehr viel verloren. Man sollte hören und nicht immer die Noten im Kopf haben. Noten sind nur ein Mittel, um Musik festzuhalten, aber nicht, um zu musizieren. Man hört heute nicht nur Musik, sondern sieht sie meist auch noch. Besser ist es, beides zu machen: Hören und Sehen gleichzeitig. Oder zusammengefasst: Auswendig lernen (siehe Punkt 1).
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Tags: Klavier, Klavier spielen, Musik, Musikpraxis
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