Home » Archiv für August 2009

Amateurpianisten voran

Im Tagesspiegel habe ich einen interessanten Artikel über Amateurpianistik gelesen. Klavierwettbewerbe, die für Amateurpianisten gedacht sind, sind allein aufgrund der Interpretation der Musikstücke sehenswert. Denn jemand, der als Florist arbeitet, kann ein Stück aus einem anderen Winkel betrachten, als jemand, der täglich 4 Stunden nur am Klavier sitzt und übt. Oder anders ausgedrückt:

Wenn man durch Musik fürs Leben lernt, warum nicht auch durch das Leben für die Musik?

Also stellt sich die Frage, inwiefern Amateurpianisten ihre eigene Lebenserfahrung in ein Musikstück hineininterpretieren.

30.08.2009

Vladimir Horowitz spielt Scriabin Op. 8 No. 12

Vladimir Horowitz spielt Scriabin Etüde Op. 8 No. 12. Eine unglaubliche Interpretation von einem der sagenhaftesten Pianisten. Gänsehaut vorprogrammiert.

30.08.2009

Klavier spielen und Altersdemenz

Neulich habe ich bei Quarks & Co. gelesen, dass Klavier spielen gegen Altersdemenz hilft. Das Instrument im hohen Alter zu erlernen bedeutet Training für das Gehirn. Verschiedene Hirnareale wie Motorik, das akustische Wahrnehmen werden damit aktiviert. Besonders die Koordination der Hände wird hiermit trainiert. Wer also Klavier spielt, wird im hohen Alter fitter sein, was das Gehirn betrifft.

29.08.2009

Emil Gilels spielt Rachmaninoff Op. 23 No. 5

Emil Gilels spielt Rachmaninoffs Prelude Op. 23 No. 5. Dieses Video ist wirklich unglaublich. Emil Gilels spielt dieses Stück sehr energisch, wie es bei einem solchen Stück von Rachmaninoff erwartet wird.

29.08.2009

Ein Stück auswendig lernen

Wie lernt man am besten ein Stück auswendig? – Das ist die Frage mit dem sich dieser Artikel beschäftigt. Das Auswendigspielen hat seine Vorteile. Man muss nicht mehr auf das Blatt gucken und kann sich mehr auf die Musik konzentrieren. Man kann sich freier bewegen und kennt dennoch das zu spielende Stück. Doch wie lernt man ein Stück auswendig?

Der erste Schritt ist ein Musikstück in Abschnitte zu unterteilen. Die Abschnitte sollten möglichst logisch und rational eingeteilt werden. Dabei sollte ein Abschnitt nicht zu kurz, aber nicht zu lang sein. Meistens geht eine Phrase über acht Takte, dementsprechend würde ich die Unterteilung in jeweils acht Takte bevorzugen.

Nun schaut man auf das Notenbild und dreht das Blatt um. Man fängt an zu spielen. Gelingt der erste Versuch nicht, dreht man das Blatt wieder um und schaut aufs Notenbild bis man sich die Noten optisch eingeprägt hat. Irgendwann klappt es von alleine. Das ist das ganze Geheimnis des Auswendigspielens.

Es gibt jedoch noch andere Möglichkeiten, ein Stück auswendig zu lernen. Man kann zum Beispiel die musiktheoretischen Erkenntnisse anwenden. Von welcher Funktion zu welcher Funktion geht ein Akkord über (z. B. Subdominante in Dominante) oder welches Intervall ist das nächste? Die musiktheoretische Seite des Auswendigspielens hat den Vorteil, dass man das Stück nahezu mathematisch verankert und es große Sicherheit bietet.

Eine weitere Möglichkeit, die sehr effizient ist, ist das Spielen von hinten. Man spielt nur ab dem letzten Takt das Stück auswendig zu Ende. Danach spielt man ab dem vorletzten Takt das Stück zu Ende, usw… Diese Methode ist auch sehr gut, um sich beim Vortrag nicht zu verspielen. Denn man lernt das Stück besser kennen.

Selbstverständlich sollte man beim Üben Fingersätze, Phrasierungen und andere Spielanweisungen ebenfalls mit auswendig lernen. Bis man ein Stück auswendig gelernt hat, vergeht eine lange Übezeit, die sich sehr vorteilhaft auf das Spielen eines Stückes auswirkt.

24.08.2009

Claude Debussy hat Geburtstag

Claude DebussyAm 22.08.1862 wurde Claude Debussy geboren. Das war heute vor 147 Jahren. Claude Debussy galt als französischer Komponist des Impressionismus. Seine Musik gilt als Bindeglied zwischen Romantik und Moderne.

Seine bedeutendsten Werke waren: Prélude à l´après-midi d´un Faune, La Mer und Claire de lune aus der Suite bergamasque für Klavier.

22.08.2009

Miles Davis’ Kind Of Blue wird 50

Die Platte “Kind Of Blue” von Miles Davis wird 50 Jahre alt. Mit ca. sechs Millionen Examplaren gehört die Platte mit dem Pianisten Bill Evans zu den wichtigsten im Jazz-Bereich.  Mehr gibt es bei der ZEIT zu lesen.

18.08.2009

Wie erlernt man eine Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier?

Zu diesem Thema habe ich folgende Seite entdeckt: Well-Tempered Clavier. Diese Seite beschäftigt sich mit Bachs Präludien und Fugen und deren Analyse anhand von Notenbeispielen. Zudem kann zu jedem Präludium und jeder Fuge eine Audiodatei abgespielt werden. Was das Wohltemperierte Klavier angeht, ist diese Seite gold wert.

14.08.2009

Mentales Üben am Klavier

Was versteht man unter mentaler Übung?

Die übliche Vorgehensweise beim Üben am Klavier ist das unbedachte Üben. Man setzt sich an das Klavier und spielt das zu übende Stück ohne irgendwelche Überlegung. Dabei ist die Methodik entscheidend, nämlich wie man übt. Es gibt zahlreiche Methoden, wie man an das Üben rangehen kann. Eine davon ist das mentale Üben.

Beim Klavier spielen ist nicht nur das Tasten-, Bewegungs- und Bildgedächtnis gefragt, sondern auch das musikalische Gedächtnis, was im Grunde genommen die wichtigste Rolle spielt. Das musikalische Gedächtnis ermöglicht uns, sich an eine Melodie zu erinnern, sodass wir sie in stillen Gedanken abrufen können. Das einfachste Beispiel wäre, wenn man sich innerlich die Melodie von „Alle meine Entchen“ abruft. Das musikalische Gedächtnis ermöglicht uns jedoch auch, ein komplettes Klavierstück abzurufen, sodass wir überhaupt erstmal gar kein Instrument brauchen, um Musik zu hören.

Das zu übende Stück kann also ohne Instrument geübt werden. Wenn man das Stück bereits kennt, ist es umso leichter es mental zu üben. Mentales Üben fordert eine große Konzentration, sodass man bereits nach einigen Minuten überfordert sein kann. Nach mehrmaligem Üben fällt es dann jedoch nicht mehr so schwer.

Wie geht man am besten vor?

Eine Anleitung zu schreiben wäre nicht sehr sinnvoll, weil man das mentale Üben auf unterschiedlichste Art vollziehen kann. Allerdings werde ich ein paar Beispiele aufführen, um zu verdeutlichen, wie man anfangen könnte.

Wenn man das Stück bereits auswendig gelernt hat, kann man sozusagen eine Art von Meditation machen. Dabei setzt man sich gemütlich und entspannt hin und fängt an, das Stück gedanklich zu spielen. Dabei sollte man jedoch einige Dinge beachten.

Dieser gedankliche Ablauf darf bloß nicht automatisch ablaufen, sondern bewusst. Es darf nicht zur Routine werden. Es ist so ähnlich, als ob mein ein Gedicht aufsagen würde und auch ein Gedicht darf nicht nebenher und ohne Betonung gesprochen werden.

Wenn man an einer Stelle nicht weiter weiß, kann man in die Noten schauen oder sich diese Stelle am Klavier vorspielen. Es ist von Vorteil, wenn man wieder ein paar Takte im Stück zurückdenkt und diese Stelle dann anknüpft.

Wenn man sich die Musik gedanklich vorstellt, sollte sie mit Emotion und Leben gefüllt werden, sie darf bloß nicht trocken und unwichtig sein. Denn man kann völlig gleichgültig denken oder mit einer Absicht. Man muss also auch musikalischen Ausdruck in diesen inneren Monolog einbauen.

Ist man an einer Stelle nicht damit zufrieden, wie man sich das Stück gedacht hat, übt man nur diese eine Stelle. Es ist genauso, als wenn man es am Klavier spielen würde und es klappt nicht, wie man es will. Genauso kann man sich diese Stelle besonders anschauen und sich fragen, warum es nicht geklappt hat, wie man es wollte.

Das mentale Üben ist auch von Vorteil, wenn man ein neues Stück zu üben anfängt. Wenn man zunächst überhaupt keine Vorstellung von dem Stück hat, dann macht es auch nicht viel Sinn es am Klavier zu üben. Wie man das am besten macht, sei an einem Notenbeispiel erläutert.

Beispiel

Rachmaninov Moment Musiceaux No. 4

Rachmaninov Moment Musiceaux No. 4

Als Beispiel habe ich das „Moment Musiceaux No. 4“ von Rachmaninoff ausgewählt. Man kann mentales Üben auch dazu einsetzen, um vom Notenbild zur einer musikalischen Vorstellung zu kommen. Für jemanden, der sich kaum mit Musik beschäftigt hat, ist davon jedoch abzuraten, weil es viel zu schwierig ist.

Das Notenbeispiel ist in der Tonart e-Moll, es ist im 4/4 Takt und fängt mit Sechstolen in der linken Hand an. Bereits hier kann man das Stück ohne eine musikalische Vorstellung nicht spielen. Wenn man sich die Betonung jeder neuen Sechstolen-Reihe auf die eins nicht vorstellt, gerät der Rhythmus aus den Fugen.

Man kann diese Sechstolen sich am besten verinnerlichen, indem man sie im langsamen Tempo singt. Da wir hier nicht sehr einfach zu singende Noten haben, kann man sich das Klavier zur Hilfe nehmen. Man beachte die Intervallabstände: Reine Quint, kleine Sext, usw… Auch diese Intervallspannungen muss man so singen, dass sie nicht wie mit Metronom gespielt, sondern musikalisch klingen.

Der Rhythmus ist 1-2-3-4-5-6, Betonung liegt auf der eins. Wie man die eins betont, bleibt jedem selbst überlassen. Man kann es durch eine Verlängerung der Note erreichen, einer Verzögerung kurz vor der Note oder durch Dynamik. Auch das kommt in die innere Vorstellung hinein. Allein für diese Figur im ersten Takt braucht man einen sehr großen Zeitaufwand, aber es lohnt sich.

Am Ende des zweiten Taktes fängt die Melodie an. Auch diese kann man singen, um sich die Melodie zu verinnerlichen. Wir stehen jedoch jetzt vor dem Problem, dass wir uns Melodie und die Figur in der linken Hand gleichzeitig vorstellen. Aber auch das ist möglich, jedoch durch sehr viel Übung. Bei der Musik von Bach ist es geradezu gefragt, polyphon zu denken.

Ich bin der Ansicht, dass man ein Stück erst dann musikalisch vortragen kann, wenn man eine musikalische Vorstellung (man könnte es auch Meinung nennen) von dem Stück hat. Denn die musikalische Vorstellung wird beim Üben viel zu sehr vernachlässigt, ist jedoch unerlässlich, um überhaupt erst zu musizieren.

11.08.2009

Wie spielt man musikalisch, oder: Wie praktiziert man Musik?

Elf hilfreiche Tips zum musikalischen Spielen am Klavier. Diese Hinweise sollen der Musikpraxis ein wenig auf die Sprünge helfen.

1.) Auswendig spielen. Wenn du ein Stück auswendig kannst, musst du dich nicht mehr darauf konzentrieren, ob du die Tasten triffst, oder nicht, sondern ganz auf die Musik.

2.) Singen. Fast alle klassischen Stücke haben immer eine Melodie, die hervorgehoben werden muss. Wenn du diese Melodie beim Üben singst, kannst du sie dir später besser vorstellen.

3.) Sich die Frage stellen: Wie klingt es unmusikalisch? Spiel einfach einen Teil des Stückes so, dass er so unmusikalisch und trocken klingt wie nur möglich. Und dann spielst du diesen Teil musikalisch und ausdrucksstark. Wenn man weiß, wie es unmusikalisch klingt, weiß man oft auch, wie es musikalisch klingt. Das hat meistens ein “Acha”-Erlebnis in sich.

4.) Meinung bilden. Wenn du dir keine Gedanken darüber machst, wie du spielst, sondern nur, was du spielst, kann es auch nicht musikalisch klingen. Also musst dich nach dem “wie” fragen, nicht nach dem “was”. Das “was” kommt, wenn du ein neues Stück einübst. Nach ein paar Tagen/Wochen musst du dich fragen “wie” du es spielst. Optimal wäre natürlich, wenn du schon bei der “was”-Frage auch schon die “wie”-Frage mit einbringst.
Du kannst sagen: “Ahja, dieses Motiv muss so und so gespielt werden, damit die richtige Wirkung herrauskommt”. Beispielsweise entwickelt sich eine Phrase meistens so, dass der Höhepunkt in der Mitte der Phrase ist und am Ende der Phrase die Melodie abklingt und aufhört. Solche Sachen musst du beachten.

5.) Aufnahmen hören. Wenn du verschiedene (!) Aufnahmen von dem Stück gehört hast, kannst du sie vergleichen und dir eine Meinung bilden (siehe Punkt 4). Es bleibt hingestellt, ob man jetzt unbedingt so spielen muss wie auf der Aufnahme, oder sich seine eigene Meinung bildet. Aber wenn man erstmal überhaupt keine Meinung oder Idee hat, dann können Aufnahmen sehr nützlich sein.

6.) Fühlen. Wenn du nur mit den Fingern spielst und nicht mit dem ganzen Körper, kann es sich nicht anders als unmusikalisch anhören. Wenn du dir eine Meinung gebildet hast (Punkt 4) kannst du sie mit dem Körper deutlich machen. Wenn du in einer Rede jemanden überzeugen willst, fügst du ja schließlich auch Körpersprache mit ein. Fühlen kann man nämlich nur mit dem Körper. Zu viel Körpersprache ist auch nicht gut und wirkt eher lächerlich, aber keine Körpersprache wirkt so, als ob dir deine Meinung/Idee nicht wichtig wäre.

7.) Musik verstehen. Musik verstehen kann man nur dadurch, indem man viel Musik hört. Hör dir mal bekannte Pianisten an, Werke die so ähnlich sind wie dein Stück und zur Epoche passen. Wenn du Musik verstehst, dann weißt du meistens auch, wie sie realisierbar ist.

8.) Zuhören. Du darfst nicht nur Musik machen, sondern auch gleichzeitig hören. Das fällt der Mehrheit bestimmt sehr schwer. Hilfreich ist dabei, sich eine Aufnahme zu machen und diese nochmal anhören.

9.) Mit Selbstbewusstsein und Freude spielen. Meistens ist es so, dass man ständig immer das gleiche übt und es dann irgendwann langweilig wird. Das hat Gewohnheit nun mal in sich. Aber man kann sich einfach vorstellen, dass hinter dir Zuhörer sitzen und etwas von dir erwarten. Dann machst du nicht nur einfach Musik, um zu üben, sondern wegen der Musik für andere.
Wenn du positiv an das Stück rangehst und sagst: “Ja, ich werde jetzt Musik machen”, dann bekommt das eine ganz andere Richtung. Wenn du selbstbewusst spielst, dann kannst du immer darüber urteilen, wie du spielst. Du hörst dir dann zu und spielst nicht einfach die Prozedur ab, die du schon seit Wochen übst.
Es ist übrigens viel einfacher etwas zu lernen, wenn man eine positive Einstellung gegenüber dem Lernen hat.

10.) Charaktereigenschaften in die Noten schreiben. Bestimmte Stellen sollen heiter, fröhlich, schrecklich, traurig, überwältigend usw… klingen. Das steht nie in den Noten geschrieben, ist aber wichtig. Also schreibt man es sich einfach in die Noten.

11.) Hören und nicht sehen. Früher, im Barock oder in der Romantik hat man sehr selten mit Noten musiziert. Man hat sich immer auf den Klang konzentriert. Dadurch geht heute sehr viel verloren. Man sollte hören und nicht immer die Noten im Kopf haben. Noten sind nur ein Mittel, um Musik festzuhalten, aber nicht, um zu musizieren. Man hört heute nicht nur Musik, sondern sieht sie meist auch noch. Besser ist es, beides zu machen: Hören und Sehen gleichzeitig. Oder zusammengefasst: Auswendig lernen (siehe Punkt 1).

9.08.2009
Seite 1 von 212